Die Burhaniya in der Tradition großer Sufi-Meister
Die Burhaniya versteht sich als Tariqa in der Tradition zahlreicher früherer Sufi-Meister, darunter z.B. Dschunaid von Bagdad (gest. 910). Seine Lehre von der Nüchternheit im spirituellen Erleben und sein Beharren darauf, dass mystische Erfahrung ohne Scharia und Verantwortung in der Gemeinschaft leer bleibt, prägen auch unser Verständnis vom Sufitums bis heute.
Sufismus wird nicht durch Beten und Fasten erworben, sondern ist die Sicherheit des Herzens und der Großmut der Seele.
Dschunaid von Bagdad
Wichtig für uns ist auch Al-Ghazali (gest. 1111), der den Weg noch einmal auf eine andere Weise geöffnet hat. Er verband Gelehrsamkeit und Spiritualität, äußere Pflichten und innere Läuterung, und zeigte, dass es beides braucht, um wirkliche Erkenntnis zu gewinnen. Sein Werk hat nicht nur den Sufismus, sondern das geistige Leben des Islam insgesamt tief geprägt.
Abu al-Hasan ash-Shadhili (gest. 1258) wiederum lehrte uns, dass man Gott nicht nur in der Abgeschiedenheit suchen kann. Er ermutigte, mitten im Leben zu stehen – in Arbeit, Familie und Alltag – und dort Achtsamkeit und inneres Bewusstsein zu üben. Für viele, die nach einem Weg suchten, war dies eine befreiende Öffnung.
Ibn ʿAtaʾ Allah al-Iskandari ابن عطاء الله (gest. 1309), einer der bedeutendsten Vertreter der Shadhiliyya, fasste diese Lehren in einer klaren Sprache zusammen. Seine Hikam (Weisheitssprüche) gehören bis heute zu den einflussreichsten Texten der islamischen Mystik. Er verband praktische Anleitung mit tiefer spiritueller Einsicht und machte damit die Lehre der Shadhiliyya einem breiten Kreis von Suchenden zugänglich.
Manchmal gibt Er dir und entzieht dir dabei,
und manchmal entzieht Er und gibt doch.
Wenn Er dir beim Entzug die Pforte des Verständnisses auftut,
wird der Entzug selbst zur Gabe.
Aus den Weisheitsworten – AL-HIKAM – von Ibn ʿAtaʾ Allah – übersetzt von A. Schimmel
Auch die Namen Abu al-ʿAbbas al-Mursi und Salam ibn Bashish sind mit dieser Tradition verbunden. Jeder hat seine Weise zur Weitergabe und Festigung der Lehren der Shādhiliyya beigetragen, sei es durch eine noch stärkere Konzentration auf die innere Schulung oder durch eine Einbettung in das soziale Leben ihrer Zeit.
Im 20. Jahrhundert wurde dieses Erbe von Scheich Mohammed Osman al-Burhani (gest. 1983) erneuert und weitergeführt. Er brachte die Weisheit seiner Vorväter in die Sprache unserer Zeit und begleitete Menschen auf der ganzen Welt. Sein Schwerpunkt lag auf Wissen, Gebet und der persönlichen Begleitung derer, die den Weg suchten. Durch ihn hat die Burhaniya ihre heutige Gestalt gefunden – eine lebendige Weiterführung einer langen Tradition, die von den frühen Meistern bis in unsere Gegenwart reicht.

Ursprung und Überlieferung der Tariqa Burhaniya
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