Ursprung und Überlieferung der Tariqa Burhaniya
Sayyidi Abul Hasan ash-Shadhuli und Sayyidi Ibrahim Disuqi begründeten die Tariqa Burhaniya im 13. Jahrhundert – daher rührt der vollständige Name Tariqa Burhaniya Disuqiya Shadhuliya. Das Wissen dieses Ordens wurde im 20. Jahrhundert durch Maulana Scheich Mohammed Osman Abduh al-Burhani (1902-1983) aus dem Sudan, dem Großvater des aktuellen Scheichs wiederentdeckt und neu belebt.
So ist unsere Tariqa der Sufi-Orden von Sayyidi Ibrahim al-Qurashiyy ad-Disuq.
Die Kette (silsila سلسلة ), Abfolge der Scheichs der Tariqa Burhaniya, geht zurück bis zum Propheten Mohammed ﷺ.
Die wichtigsten Glieder unserer spirituellen Kette sind:
- Sayyidi al Scheich Mohammed Ibrahim Mohammed Osman
- Sayyidi al Scheich Ibrahim Mohammed Osman
- Sayyidi al Scheich Mohammed Osman Abduh al-Burhani
- Sayyidi Ahmad Arabiyy ash-Sharnubi
- Sayyidi Musa Abu al-Umran
- Sayyidi Ibrahim al-Qurashiyy ad-Disuqi
- Sayyidi Abul Hasan ash-Shadhili
- Sayyidi Abd al-Salam ibn Bashish
- Sayyiduna wa Mawlana al-Imam al-Hussein
- Sayyiduna wa Mawlana al-Imam Ali
- Ziyadatan fi sharafi-l Mustafa (der Prophet Mohammed) Salla-llahu 'alaihi wa sallam.
Der Name unserer Tariqa bedeutet im Einzelnen:
Burhan – „der Beweis“, ein Beiname Sayyidi Ibrahims Disuqis
Disuq – die nordägyptische Stadt, in der Sayyidi Ibrahim lebte
Shadhuli – der Onkel von Sayyidi Ibrahim, Sayyidi Abul Hasan al Shadhuli
Die Tariqa Burhaniya erlebte einen bedeutenden Aufschwung unter der Führung von Maulana Scheich Mohammed Osman Abduh al Burhani († 1983) und später seines Sohnes, Maulana Scheich Ibrahim Mohammed Osman († 2003). Unter der gegenwärtigen spirituellen Leitung von Maulana Scheich Mohammed Ibrahim Mohammed Osman blüht die Tariqa weiter auf. Hunderte von Burhani-Gemeinschaften haben sich über die ganze Welt verbreitet. ( → Burhaniya weltweit) und sind in vielen Ländern über mehrere Kontinente verteilt entstanden.
Diese weite Ausstrahlung der Tariqa Burhaniya in den letzten Jahrzehnten wurzelt in einem tiefen, lebendigen Erbe – ein Erbe, das wir in den folgenden Berichten und auf diesen Seiten sichtbar machen möchten.
Scheich Mohammed Osman Abduh al-Burhani
wurde um die Wende zum 20. Jahrhundert in Halfa im heutigen Sudan geboren. Mit nur zehn Jahren wurde er – nach inständigem Bitten – von seinem Onkel in die Tariqa Burhaniya eingeführt. Doch trotz dieser Einweihung fand sich zunächst kein Lehrer für ihn, sodass er weder Übungen noch Unterweisung erhielt.
In dieser Zeit der inneren Suche verbrachte Mohammed Osman viele Nächte im Gebet und der Einkehr, es kamen ihm Visionen, in denen ihn manch einer der großen Heiligen besuchte. Durch diese Erscheinungen empfing er erste Teile des Aurad, der besonderen Gebete der Tariqa Burhaniya.
Erst Jahre später begegnete ihm ein blinder Fremder, der – wie er selbst berichtete – von Sayyidi Ibrahim Disuqi, dem Gründer des Ordens, zu ihm gesandt worden war. Dieser Lehrer half ihm, sein inneres Wissen zu vertiefen. In der Folge entdeckte Scheich Mohammed Osman alte Schriften, die seine Vorfahren zur Zeit der Bücherverbrennung durch den Mahdi in Tongefäßen verborgen hatten. Darunter befand sich das vollständige Aurad der Tariqa, ein Schatz, den er nun für seine Schüler bewahrte und ihnen überlieferte.
In einer umfassenden Vision, die vierzig Tage andauerte, wurde ihm schließlich offenbart, dass es seine Aufgabe sei, den Orden von Sayyidi Ibrahim Disuqi neu zu beleben. Zwei Monate lang zögerte er und lehnte diese Aufgabe für sich ab, schließlich – so die Überlieferung – erschien ihm Imam al-Husain persönlich und bestätigte und bekräftigte den Auftrag, so nahm er die Verantwortung an.
Unter der spirituellen Führung von Maulana Scheich Mohammed Osman fand die Tariqa Burhaniya im Sudan und in Ägypten großen Zulauf. Bereits in den 1970er Jahren zählten allein in Ägypten Hunderttausende zu seinen Anhängern. Ab dem Jahr 1981 verbreitete sich die Tariqa auch in Europa und den Vereinigten Staaten.
Maulana Scheich Mohammed Osman – von seinen Schülern Sayyidi Fahruddin genannt – verließ diese Welt am 5. April 1983. Sein Grab (maqam) in Khartoum (Sudan) ist heute eine vielbesuchte, gesegnete Stätte der Einkehr, des Gedenkens und der Verbundenheit.
Wie Maulana die Tariqa erhielt

„Im Schlaf und in der Vision sah ich eine Lokomotive mit nur einem einzigen Waggon auf mich zufahren. Sie hielt direkt vor meinen Füßen an. Ich erkannte: dieser Zug kam aus Disuq – der Stadt meines Scheichs. Vierzig Nächte wiederholte sich dieses Bild, bis es schließlich zur greifbaren Wirklichkeit wurde.
Ich öffnete den Waggon und fand darin einen Sarg. Als ich ihn öffnete, lag darin ein Leichnam, bedeckt von einem weißen Tuch. Ich hob es an und entdeckte darunter ein grünes Tuch. Auch dieses hob ich an, und darunter erschien ein gelbes Tuch.“
Diese drei Farben stehen sinnbildlich für die Tariqa:
Weiß – das Tuch des Propheten Muhammad ﷺ, das Sayyidi Ibrahim übergeben wurde, ist das Licht der Scharia, des äußeren Gesetzes.
Grün – die Farbe Sayyiduna al-Husains, steht für das Herz und das innere Wissen.
Gelb – die Farbe Sayyidi Abul Hasan ash-Shadhulis, symbolisiert den Weg der Läuterung: das Überwinden der sieben Nafs (Ego-Stufen) und das Fortschreiten auf dem inneren Pfad.
Als Maulana die Tücher angehoben hatte, sah er die Füße des Leichnams – und erkannte, dass sie wie seine eigenen aussahen. In diesem Moment wurde ihm die Gegenwart zahlreicher Heiliger offenbar, darunter Sayyidi Abul Hasan ash-Shadhuli.
„Wer ist dieser Verstorbene?“, fragte er.
„Es ist Ibrahim ad-Disuqi“, lautete die Antwort.
Maulana war erschüttert. Tränen liefen über sein Gesicht. All seine Mühe, sein Streben, schienen vergeblich – wenn der Scheich wirklich gestorben war. Doch plötzlich erschien Sayyidi Ibrahim ad-Disuqi selbst, in leiblicher Vision.
„Der Tote“, sprach er, „steht sinnbildlich für meine Tariqa. Und du bist dazu erwählt, ihr neues Leben zu schenken.“
Maulana zögerte. Zwei Monate lang lehnte er ab, diese Aufgabe zu übernehmen. Da erschienen ihm erneut die Heiligen – nun in Begleitung von Sayyiduna Imam al-Husain.
Es heißt: Dem Wort des Imam Husain kann man nicht widersprechen.
Er sprach:
„Mein Sohn, zögere nicht. Wer eine Aufgabe empfängt, dem wird auch Beistand gewährt. Übernimm die Verantwortung und fordere, was du brauchst – es wird dir gegeben.“
Maulana Mohammed Osman willigte schließlich ein, stellte jedoch Bedingungen:
Keiner seiner Schüler dürfe in einen Zustand der Entrückung (maǧzūb) fallen, und es solle keine spirituellen Rückzüge (khalwa) innerhalb der Tariqa geben.
Diese und 60 weitere Bedingungen wurden niedergeschrieben in einem Vertrag, der von Sayyidi Ibrahim und Sayyiduna al-Husain unterzeichnet wurde. Dieses Dokument befindet sich bis heute im Besitz des Scheichs der Tariqa Burhaniya: Maulana Scheich Mohammed Scheich Ibrahim Mohammed Osman.
Djabal al-Awliya (Berg der Heiligen) – eine frühe Vision Maulanas
In einem Traum, den Maulana Scheich Mohammed Osman noch als Kind hatte, erschien ihm der große Heilige Sayyidi Ahmad al-Badawi. Er nahm das Kind bei der Hand und führte es zu einem Berg in der Nähe von Khartoum – dem später so genannten „Djabal al-Awliya“, dem Berg der Heiligen.
Dort angekommen, schlug Sayyidi Ahmad al-Badawi mit der Hand gegen den Felsen. Der Berg öffnete sich – und offenbarte eine Höhle.
„Bete in dieser Höhle!“, befahl er.
Nach dem Erwachen war der junge Mohammed Osman tief bewegt und voller Fragen. Was bedeutete dieser Ort? Wo war er zu finden?
Er wandte sich an den Vorsteher der nahegelegenen Ortschaft – einen Mann namens Wasim – und erkundigte sich nach dem Berg. Wasim bestätigte, dass dieser Ort tatsächlich Djabal al-Awliya genannt werde – seit der Zeit, als fromme Heilige dort in einer verborgenen Höhle gebetet hatten.
Mohammed Osman machte sich auf die Suche – und fand den Ort aus seinem Traum. Eine Höhle mit feinem, weißem Sandboden. In ihrer Tiefe war die Gebetsrichtung, die Qibla, angedeutet.
Er betete dort für die Kette der Scheichs seines Ordens, deren Namen und Reihenfolge er damals nur lückenhaft kannte.
In späteren Jahren kehrte er zu dieser Höhle zurück und verbrachte dort sechs Monate im Rückzug.
Der blinde Lehrer
Obwohl Maulana Scheich Mohammed Osman bereits seit Jahren den Bund der Tariqa Burhaniya geschlossen hatte, blieb ihm ein Lehrer zunächst verwehrt. Niemand war da, der ihn in den besonderen spirituellen Übungen (wird) unterwiesen oder ihn auf seinem inneren Weg angeleitet hätte. Die meiste Zeit verbrachte er in der Moschee, vertieft in das Studium des islamischen Rechts und der Scharia.
Eines Tages betrat ein blinder Mann aus Ägypten den Raum. Er näherte sich Mohammed Osman und fragte ihn: „Willst du mich nicht auffordern, Platz zu nehmen?“ Mohammed Osman erwiderte: „Dies ist ein Gotteshaus – jeder ist hier willkommen.“ Der Fremde wandte sich ab, verrichtete die zwei Gebetseinheiten, die beim Betreten einer Moschee empfohlen sind, und sprach dann: „Sayyidi Ibrahim ad-Disuqi hat mich gesandt, um dich in das Aurad einzuweisen.“
Er blieb sieben Monate bei Mohammed Osman und lehrte ihn alle Einzelheiten des Aurads und der besonderen Übungen der Burhaniya. Insgeheim betete Mohammed Osman in dieser Zeit oft, dass sein Lehrer von der Blindheit geheilt werde. Doch eines Tages ging dieser im Raum umher und nannte die Farben der Gegenstände. Denn obwohl er blind war, brauchte er das Augenlicht nicht, um zu sehen.
Nach sieben Monaten verabschiedete sich der Ägypter mit den Worten, er werde nun nach Disuq zurückkehren, an das Grab von Sayyidi Ibrahim, in dessen Nähe sich sein Zuhause befinde. Doch als Mohammed Osman später selbst Disuq besuchte und sich nach dem Mann erkundigte, konnte sich niemand an ihn erinnern. Niemand hatte je von ihm gehört.
Mehr Infos über → Scheich Mohammed Osman Abduh al Burhani
Maqam von Sayyidi Scheich Muhammad Uthman Abduh al Burhani und Sayyidi al Scheich Ibrahim Mohammed Osman in Khartoum

